Geschichte des Hauses Kupferhammer

Vom Messinghammer zum Kupferhammer

Haus Kupferhammer – jahrhundertelang Industriellenwohnsitz – nahm seinen Anfang mit dem Kupferhändler Johann Theodor Möller (1705 -1763). Er hatte durch Heirat mit der Lippstädter Unternehmerin Clara Zahn (1697 – 1732) den ehemaligen Messinghammer von 1659, der Anfang der 1720er Jahre in einen Kupferhammer umgewandelt wurde, übernommen.

In Johann Theodor Möller begegnet uns jener frühindustrielle, protestantische Fabrikant, für den neben seiner rastlosen Tätigkeit Erziehung und soziale Mitverantwortung eine besondere Bedeutung hatte.

 

Johann Theodor Möller baut Haus Kupferhammer

Auf ihn geht auch der heutige Bau von Haus Kupferhammer mit seinem Mitteltrakt und den beiden Seitenflügeln zurück. In der Familienchronik ist nachzulesen, dass 1755 der (vermutlich zweite) Seitenflügel fertiggestellt wurde und Haus Kupferhammer damit sein heutiges Aussehen erhielt. Es wird angenommen, dass der aus Suttrop stammende Johannes Judocus Schilling das Haus mit seinen Söhnen erbaute.

Das Erbe seines Vaters führte Johann Christian (1738 – 1816) erfolgreich weiter. Geschäftliche Erfolge erlaubten ihm großzügige gesellschaftliche Investitionen wie den Bau einer Schule – den späteren Alten Kindergarten – und eines Krankenhauses in Warstein.

Nach dem Tod von Johann Christian Möller 1816 betrieb dessen Neffe Franz Anton Christian Ludewig Möller (1785 – 1849) das Unternehmen mit mäßigem Erfolg. Die Bedeutsamkeit des Werkstoffes Kupfer wurde zunehmend vom Werkstoff Eisen abgelöst.

 

Haus Kupferhammer erhält sein heutiges Aussehen

1849 erwarb Wilhelm Bergenthal (1805 -1893) Betrieb und Wohnhaus. Letzteres ließ er entsprechend dem Zeitgeschmack für Wohn- und Repräsentationszwecke herrichten. Der Mitteltrakt des Wohnhauses wurde umgebaut. Ein Balkon wurde an der Westseite angebaut, ein Wintergarten und eine glasüberdachte Veranda wurden errichtet. Eine zweigeschossige Sandsteinskulptur kündet über dem Eingang die Hausinschrift „Nichts ohne Mühe“.

Für die industrielle Nutzung baute Wilhelm Bergenthal die Teichanlage aus, ließ das Wirtschaftsgebäude um einen achteckigen, dreigeschossigen Turm mit einer Kutscherwohnung erweitern, für die Kutsch-, Schlitten- und Jagdwagenunterbringung wurde eine Remise errichtet und die heute noch zum Teil vorhandene Parkanlage geschaffen.

 

Nichts ohne Mühe

 

Haus Kupferhammer wird Museum

Mit dem Tod von Wilhelm Bergenthal 1893 ging der gesamte Besitz auf die Söhne Constantin Wilhelm (1834 – 1893) und Hubert (1842 – 1923) über. Als Constantin noch im selben Jahr starb erbte dessen Sohn Wilhelm (1868 – 1945) das Unternehmen. Dieser kündigte 1894 die Teilhaberschaft der Familie Gabriel, fusionierte 1910 mit der in Witten ansässigen eisen-verarbeitenden Firma Dittmann-Neuhaus und hinterließ 1945 mit seinem Tod ein inzwischen weitgehend fremdbestimmtes Unternehmen.

Seine Frau Ottilie, geborene d`Ham, (1888 – 1951) vermachte das familiäre Besitztum 1948 der Stadt Warstein. Die Firma „Dittmann-Neuhaus & Gabriel-Bergenthal“ bestand noch bis 1965, ehe sie Teil der Hoesch AG wurde. Die Warsteiner Firmengebäude gehören seitdem der Firma Jungeblodt.

 

Ottilie Bergenthal vererbt Haus Kupferhammer der Stadt Warstein

In der Präambel des Erbvertrages, den Ottilie Bergenthal 1948 mit der Stadt Warstein schloss, erklärte sie:

„Im Andenken an meinen Mann, Herrn Gewerken Wilhelm Bergenthal, und in Erkenntnis der entscheidenden Bedeutung der hundertjährigen Geschichte der Familie Bergenthal in Warstein für den Aufbau und die Entwicklung der heimischen Industrie habe ich mich entschlossen, den Sitz der Familie Bergenthal, Haus Kupferhammer, mit dem dazugehörigen Park für den Fall meines Todes der Stadt Warstein zu übergeben.

Haus und Park sind Zeugen der rastlosen Tätigkeit der Familie Bergenthal zum Wohle der Allgemeinheit. Die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner ist ein Teil der Heimatgeschichte Warsteins überhaupt, umso mehr, da sie nirgends in Warstein der ursprüngliche bauliche Zustand unverändert erhalten geblieben ist. Es ist mein Wunsch, daß Haus und Park der Bestimmung zugeführt werden, die der Bergenthalschen Tradition würdig ist.

Der Name Bergenthal soll für alle Zeit mit Haus und Garten verbunden bleiben. Hier soll der eigentliche Mittelpunkt der im Anschluß gelegten großen Wilhelm-Bergenthal-Siedlung sein. Es ist weiter mein Wunsch, daß Haus und Park nicht für gewerbliche Zwecke gebraucht werden. Auch sollen Behörden und Dienststellen der Verwaltung dort nicht untergebracht werden.

Die Stadt ist gehalten, in einem, Teil der Räume das Heimatmuseum und das Stadtarchiv unterzubringen… Das Haus soll die Stadt in den Stand setzen, Anziehungspunkt für alle zu werden, die sich im engeren und weiteren Raum des Sauerlandes und Westfalens mit der Geschichte der Heimat, des Volkes und seiner Gebräuche befassen ….“

 

Der Verein der Freunde und Förderer des Hauses Kupferhammer übernimmt die  Verantwortung für das Museum und betreibt ein Zentrum für Kultur

1962 konnte das Museum der Öffentlichkeit übergeben werden. Bäuerliches Wohnen und Arbeiten, heimische Gieß- und Schmiedetechnik, geologisch-mineralogische Funde sowie informative Exponate zur Stadtgeschichte machten die Themenschwerpunkte in den Räumen des Erdgeschosses aus.

Die Räume im Obergeschoss wurden mit den Orginalmobilar des Geheimen Kommerzienrates Wilhelm Bergenthal und seiner Frau Therese sowie mit dem Wohnzimmer seines Enkels Wilhelm Bergenthal und dessen Frau Ottilie ausgestattet. In ihrem Umfang und ihrer Geschlossenheit sind sie ein nur selten anzutreffendes Beispiel für großbürgerliches Leben im 19. Jahrhundert. Im nachfolgenden virtuellen Rundgang wie auch im Audioguide, der für die Vor-Ort-Führung zur Verfügung steht, wird das Bergenthalsche Erbe näher vorgestellt.

Um „das Museum mit Leben zu füllen“ gründete sich 2006 der Verein der Freunde und Förderer des Museums Haus Kupferhammer. Durch ihn wurde 2010 das Erdgeschoss zu einem Begegnungsort umgestaltet. Dort, wo sich früher die kaum noch beachteten Exponate der Heimatstuben befanden, laden heute zwei bis drei unterschiedliche Ausstellungen pro Jahr die Besucher ein.

Ein anspruchsvolles kulturelles Programm erfüllt die Ansprüche der Erblasserin und macht Haus Kupferhammer heute zum Zentrum für Kultur – Kunst | Musik | Geschichte – mitten in Warstein.

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