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Festsaal

Der geheime Kommerzienrat Wilhelm Bergenthal (1805 - 1893) ergreift zum Schluss selbst das Wort.

Wenn sich die hohen weißen Flügeltüren mit ihren farbigen Gläsern und geschliffenen Kristallscheiben geöffnet haben, dann werfen Sie einen Blick in unseren Festsaal.

Er wurde nur zu besonderen Anlässen genutzt, diente hauptsächlich der Repräsentation. Hier empfingen wir bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Hier feierte ich aber auch gern in fröhlicher Runde mit meinen Jagdgenossen. Nicht zu vergessen sind natürlich unsere privaten Familienfeste. Ob zu Taufen, runden Geburtstagen oder Hochzeiten, unser Festsaal bot immer vielen Gästen Platz und gab dazu den entsprechenden Rahmen.

 

Wenn die Sonne durch die mit rötlichen Brokatvorhängen mit Borten und Quasten und echten Spitzengardinen ausstaffierten Fenster schien oder der böhmische Kristallleuchter in vollem Glanz erstrahlte und das Licht obendrein von den großen Spiegeln zurückgeworfen wurde, entstand wie von selbst eine stimmungsvolle, festliche Atmosphäre. Sie können sich das sicher denken!

In diesem Saal konnte meine Frau Theresa (geb. Gabriel) und ich mit unsern Kindern und Enkelkindern, mit Verwandten, Freunden und zahlreichen Gästen am 21. Mai 1883 unsere Goldene Hochzeit feiern. Solch ein Ereignis hat das Haus Kupferhammer nie wieder erlebt!

Vorher hatten wir den Raum noch einmal großzügig renovieren lassen. Auf meinen Reisen hatte ich in Paris die sog. Belle Époche kennen gelernt. In Deutschland wird dafür stärker der Begriff des Historismus vorgezogen. Das diente uns als Anregung für die Ausschmückung unseres Festsaals mit der Dekoration der Fenster, mit den dunkelgrünen Seidentapeten mit goldschimmernden Ornamenten an den Wänden, mit den mit rotem Samt bespannten Sofas und Sesseln mit den reichen Schnitzwerk an Füßen und Lehnen. Die beiden großformatigen Spiegel mit ihren kostbaren Rahmen, die Blütenrauten mit Blattgold belegt, ließen wir über Marmorkonsolen an den beiden Stirnwänden anbringen. Diese Stücke bezogen wir aus Frankreich, bzw. England und Italien.

Heimische Handwerker – die sind auch nicht gerade ungeschickt – lieferten uns die großen Tische – mehrfach ausziehbar – und die Stühle mit den hellen und dunklen Flechtwerk und den geschnitzten Blattornamenten, passend zu meiner Jagdleidenschaft. Die beiden hohen weißen Keramik-Kachelöfen stammen aus Böhmen. Mit den Flügeltüren bilden sie einen starken Kontrast zu den satten Farben der Wände, der Dekoration und des Mobiliars. Sie haben dabei sicherlich selbst gemerkt, die geschnitzten Eckregale gehören eigentlich zum Florentiner-Zimmer im Vorraum.

Ausdrücklich hinweisen möchte ich Sie noch auf die beiden Eichenbüffets, das eine mit Früchtemotiven, das andere mit Motiven der Jagd. Wenn Sie genau hinschauen, werden Sie viele Details entdecken.

Die Gemälde an den Wänden (17. und 18. Jhdt.) waren zum Teil schon vorher in unserem Besitz. Die großen Stahlstiche gehen auf Originalgemälde von R. Beyschloß und Anton Diefenbach zurück. An den Bildunterschriften können Sie feststellen, sie sind eigens zu unserer Goldhochzeit ausgewählt.

 

Sie werden das vielleicht anders sehen, für mich (Wilhelm Bergenthal) haben auch die Vasen, die Tafelaufsätze, die Trinkbecher und Pokale auf den Büffets, den Tischen und Konsolen einen höheren Wert. Es sind persönliche Erinnerungsstücke, Geschenke zu verschiedenen Anlässen, vornehmlich auch zur Goldenen Hochzeit.

Wenn es Sie interessiert, dann schauen Sie sich den Pokal mit der Siegesgöttin doch einmal genauer an. Sie werden sicherlich viele Details erkennen und die Motive interpretieren können. Vielleicht entdecken Sie sogar die Umschrift des unteren Tellers. Ich darf Sie Ihnen verraten:

Nach Hetz und Jagen
ein Trunk mag behagen!

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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