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Biedermeir Salon

Theresa Bergenthal geb. Gabriel erzählt

Treten Sie ein in unseren gemütlichen Biedermeir Salon.
Wie gefällt er Ihnen?
Was Sie hier sehen, sind weitgehend die Möbel, die mein Mann und ich uns nach unserer Heirat 1833 gekauft haben. Wir legten Wert auf ein Mobiliar mit anspruchsloser Eleganz, das eine behagliche Wohnatmosphäre schafft. Es ist in dieser Art typisch für die Zeit des Biedermeier. Sofa, Tisch und Stühle zeichnen sich durch ihre solide, feingliedrige Form ohne überflüssiges Schmuckwerk aus.

 

Auch das helle Furnier des Sekretärs entspricht der Stilepoche.

Mein Porträt oberhalb des Sekretärs ist Ihnen inzwischen bekannt. Wie Sie unschwer erkennen, hat die Biedermeierzeit auch ihre typische Mode. Wir Frauen tragen einen trichterförmigen Rock mit Wespentaille, Puffärmel, breiten Schulterkragen oder Schultertuch und Hut.

 

Auffallend an der Standuhr sind die herrlichen Intarsien sowie das Ziffernblatt. Da die Uhr nicht nur die Zeit angeben, sondern auch zur inneren Erbauung beitragen soll, bewegen sich zu jeder vollen Stunde oberhalb des Ziffernblattes Schiffe, zusätzlich zur Mittagszeit erscheint um 12.00 Uhr die Sonne, zu Mitternacht der Mond - jeweils mit einem besonderen Glockenschlag versehen.

 

Der Wäscheschrank besticht wie der Sekretär durch sein leuchtendes Furnier und die klare Linienführung der Kanten.

 

Der gobelin-bestickte Sessel in der Ecke direkt neben dem Fenster ist der Lieblingsplatz meines Mannes. Hier findet er Entspannung nach oft belastender Arbeit. Zu seiner „Freizeitkleidung“ gehören die schönen, dekor-bestickten Pantoffeln.

 

Aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, also aus der Empirezeit, stammt der in Form eines Pokals gehaltene Ofen. Wie Sie erkennen können, hat er im Raum keine Befeuerungsmöglichkeit. Die Beschickung des Ofens erfolgt vom Flur aus. So können wir ungestört Tee oder Kaffee trinken und auch ohne irgendwelche Störungen Gespräche mit Besuchern führen.

 

Unsere Zeit im Haus Kupferhammer fällt in eine Epoche wachsenden bürgerlichen Selbstverständnisses gerade auch in Deutschland. Die politisch-gesellschaftlichen Veränderungen der Deutschen Revolution von 1848/49 haben den Begriff des Bürgers neu definiert; alte Abhängigkeiten des feudalen Systems treten mehr und mehr zurück. Gerade auch in der anbrechenden Industrialisierung findet das aufstrebende Bürgertum neue Formen der wirtschaftlichen Betätigung und Verantwortung. Diesen Schritt haben mein Ehemann und mein Vater mit der Gründung der Firma „Gabriel und Bergenthal“ schon ein Jahr nach unserer Heirat im Jahr 1834 getan. Beflügelt durch ihre wirtschaftlichen Erfolge fanden wir einige Jahre später im äußeren und inneren Ambiente des Hauses Kupferhammer den passenden Ausdruck unseres Selbstverständnisses als Bürger des 19. Jahrhunderts. Vielleicht sagt man, dass dies ein bisschen den überkommenen Lebensgewohnheiten des Adels entlehnt ist – und es stimmt eigentlich auch. Aber doch fühlen wir uns als Menschen, die in eine neue Zeit, die Zeit der bürgerlichen Epoche verweisen. Alte Adelstitel sind hier weit weniger wert als persönliche Leistung, Vorwärtskommen und gesellschaftliches Engagement, was gerade meinen Mann Wilhelm auszeichnen wird.

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